Wir sind ein feministisches Künstlerinnenkollektiv und arbeiten seit 2007 zusammen. Mit unterschiedlichen Medien (u.A. Performance und Skulptur), vor allem aber mit Hilfe der Malerei bewegen wir uns in einem ständigen Prozess der Auslotung von figurativen Bezügen, feministisch relevanten Dynamiken und interkulturellen Reibungsflächen. Dabei betrachten wir das gemeinsame Malen auch als performativen Akt, mit dem wir stereotype Zuschreibungen in der Kunst aufgreifen und erwünschte Brüche sichtbar werden lassen. Unsere Strategie ist es, feministische Malerei als Dialogform einzusetzen.

Uns interessiert also nicht allein der Formalismus im Bild sondern noch mehr die konzeptionelle Dynamik und Haltung, welche uns selbst durch diese Arbeit als zusammen wirkende Künstlerinnen erfasst und die in unserem Freundeskreis, sowie im Dialog mit Gesellschaft und Öffentlichkeit zum Ausdruck kommt. Unsere Figuren sind von uns ermächtigte Darsteller_innen, ausgestattet mit einer Portion Trotz, Beharrlichkeit und dem Wunsch nach Selbstbehauptung.

Wir erforschen in unserer Malerei Spielräume kollektiver Produktion, experimentieren mit Ansätzen aus der queer-feministischen Theorie und den Cultural Studies und produzieren kritisches Wissen und Widerstände. Das kollektive Malen ist für uns gleichzeitig künstlerische Praxis und radikale Geste, die eine dezidierte Auseinandersetzung mit unserer Rolle als Künstlerinnen einfordert. Die Thematisierung von Freund_innenschaft als eine Möglichkeit sogenannter „Care Arbeit“ hat sowohl als Bildgegenstand als auch in direkter Aushandlung einen bedeutenden Raum in unserer Zusammenarbeit.

Welches Wissen und Können bringen wir individuell in unsere Zusammenarbeit ein und wie ensteht daraus ein gemeinsamer Prozess- nicht kompromittierend nicht genial, aber was dann?

Wie gehen wir mit unseren unterschiedlichen Vorstellungen um, in der Diskussion und auf dem Papier- oder machen wir den kollaborativen Prozess lieber unsichtbar?

Was ist feministische Kunst? Wie verhandeln wir das gemeinsame Arbeiten und wie kann das möglicherweise eine komplett andere Weise in der Welt zu sein hervorbringen, die sich bezieht auf Feminismus, Sorgearbeit, Freundinnenschaft, Karriere und individuellen Begehren?

Wir möchten auch unsere Rolle und den Hintergrund als zwei akademisch ausgebildete weibliche Sprecherinnenpositionen mit einem gemeinsamen Interesse die Vielfalt in Gesellschaft, Kultur und Zugangsmöglichkeiten zu reflektieren und sichtbar zu machen. Wissend, dass dieses Sprechen ein Privileg sein kann ist es begleited von dem Wunsch reflektiert, angreifbar, unabgeschlossen und sich der Komplexitäten bewusst zu sein.

U.C.E. - Unidentified Critter Entanglements, 2019, 140 x 180 cm, Öl auf Leinwand

Staying with the trouble (admiring artists Djanira da Motta e Silva, Lygia Clark, Wanda Pimentel, Tarsila do Amaral, Regina Vater, Rosana Paulino, Lina Bo Bardi, Ana Bella Geiger, Marcia X, Mônica Nador and JAMAC, Teresinha Soares, Djamila Ribeiro), 2019, 140 x 240 cm, Öl auf Leinwand